Der Werdauer Wald – das größte zusammenhängende Waldgebiet im waldarmen, agrarwirtschaftlich geprägten westlichen Erzgebirgsvorland. Das ca. 30 ha große Landschaftsschutzgebiet erstreckt sich, zusammen mit dem etwa ebenso großen thüringer Landschaftsschutzgebiet „Wälder um Greiz und Werdau“, vom Pleißetal bis zu den Tälern der Weißen Elster.
Zwischen Fichtenforsten, Erlenbruchwäldern und alten Buchenbeständen findet sich eine Vielzahl von Vogelarten, wie dem Neuntöter, Baumpieper, Schwarz-, Bunt- und Grünspecht. Aber auch Reptilien, wie die Ringelnatter und Kreuzotter, sowie viele, darunter streng geschützte Amphibienarten. Zudem gedeihen hier noch besondere Pflanzen, wie Bärlapp, echtes Tausend-Gülden-Kraut, verschiedene Farne und Orchideen.
Ein besonderes Aushängeschild aber ist die Wildkatze. 2013 auf thüringer Seite erstmals wieder nachgewiesen, konnten seit 2020, mit Hilfe des Landschaftspflegeverbandes Westsachsen e.V. und dem BUND, durch die erfolgreiche Ausbringung von Lockstöcken, mehrere genetische Nachweise der Wildkatze erbracht werden. Zusammen mit dem Leipziger Auwald, ist der Werdauer Wald damit das einzige Waldgebiet Sachsens, mit einer sich sogar nachweislich reproduzierenden, Wildkatzenpopulation.
Aber im Werdauer Wald gibt es noch mehr zu entdecken: Zeugnisse der spannenden Geschichte der Pleiße-Flößerei. Berichten zufolge wurde seit Ende des 16. Jahrhunderts bis 1733, das im Wald gewonnene Holz über zahlreiche Flößergräben hinunter zur Pleiße und anschließend sogar bis nach Altenburg geflößt. Eine Führung mit dem „Flößer Ole“ entlang des Naturlehrpfades „Flößergraben“ gibt tolle Einblicke in diese interessante Zeit.
Interessant ist auch, dass gerade dieses Kapitel menschlicher Nutzung, zu erhöhter Biodiversität im Werdauer Wald geführt hat. Die vielen zum Zweck der Flößerei geschaffenen Kanäle, Gräben, Teiche und die dazu gehörenden Nasswiesen, stellen heute ein besonderes Geflecht an Lebensräumen für den Edelkrebs, Erd- und Wechselkröte sowie für Berg-, Teich- und Kammmolch, aber auch für spezialisierte Pflanzen wie z.B. Seggen, Moose und Flechten dar. Das Flächennaturdenkmal „Rohrteich Leubnitz“ ist ein tolles Beispiel dafür.
Doch das Biotop ist bedroht: Durch zunehmende Verbuschung und Verlandung. Viele, der für Nass- und Feuchtwiesen so typischen Pflanzenarten, wie der auf der Roten Liste stehende Natternzungenfarn, sind bereits seit ca. 20 Jahren verschwunden.
Da wurde es Zeit zu handeln. Finanziert durch die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt, unter Absprache mit dem Sachsenforst, griffen die Mitarbeiter des Landschaftspflegeverbandes Westsachsen e.V. im vergangenen Winter zur Kettensäge. Auf einer Fläche von 2.000 m² wurde entbuscht, Bäume gefällt und Brombeeren entfernt. Nach mehreren Wochen harter Arbeit, konnte sich das Ergebnis sehen lassen: Es ward Licht. Die vormals von den umstehenden Bäumen stark bedrängte Wiese wird wieder besonnt und gleichzeitig immer feuchter. Beste Voraussetzungen also für die lichthungrigen Sumpfpflanzen und optimal für die immer selten werdenden Amphibien.
In diesem Jahr werden nun noch die verbliebenen Baumstubben gefräst, damit die Wiese in eine dauerhafte Pflege gebracht werden kann und dieses faszinierende Biotop auch in Zukunft erhalten bleibt. Vielleicht lässt sich ja dann der Natternzungenfarn wieder blicken. Wir sind gespannt.
Foto: Rohrteich nach der Entbuschung





